Nach den Attentaten in europäischen Grossstädten 2015 hat sich die Sicherheitslage in Europa verändert. Die Sicherheitsanforderungen sind in den letzten zehn Jahren gewachsen, Mittel und Einsatztaktiken haben sich stark gewandelt. Und damit auch die Anforderungen an Einsatz und Ausbildung der Päpstlichen Schweizergarde.
Der Ausbildung der Gardisten kommt eine grosse Bedeutung zu. Die sich stetig verändernden Rahmenbedingungen fordern eine laufende Schulung im Umgang mit neuen Techniken im Sicherheitsbereich, im Umgang mit Besuchern und Pilgern aus aller Welt. Seit 2025 dauert diese Grundausbildung drei Monate. Die Rekruten profitieren dabei von der Erfahrung und vom Fachwissen verschiedener Experten, wodurch die Professionalität in einem immer anforderungsreicheren Kontext gewährleistet werden kann.
Italienisch ist nicht nur die Amtssprache im Vatikan, sondern auch eine der Umgangssprachen in der Päpstlichen Schweizergarde. Natürlich ist es von Vorteil, wenn die angehenden Rekruten bereits schon Italienischkenntnisse mitbringen. Die Garde bietet in Zusammenarbeit mit der Accademia Lingua Italiana vordienstlich eine Sprachschule in Assisi (IT) an. In Zusammenarbeit mit der Stiftung der Päpstlichen Schweizergarde finanziert das Kommando den Kurs, abhängig vom Erfolg der Bemühungen. Das heisst: Je höher das erworbene Sprachdiplom ist, desto grösser ist auch die finanzielle Beteiligung seitens der Garde.
Der erste Teil der Ausbildung findet im Quartier der Päpstlichen Schweizergarde statt. Sie beinhaltet:
Hinzu kommt die Kenntnis des spirituellen und kulturellen Umfeldes. Da die Garde im Zentrum der katholischen Kirche arbeitet, ist es wichtig, dass die Gardisten die besondere Umgebung kennen und verstehen.
Seit 2016 werden die Rekruten einer intensiven Ausbildung durch die Kantonspolizei Tessin im Ausbildungszentrum der Polizei und der Spezialkräfte der Schweizer Armee in Isone TI unterzogen. Die Schwerpunkte liegen hier bei der Waffenausbildung und der Selbstverteidigung.
Die Ausbildung beinhaltet:
Die Gardisten haben einmal pro Monat einen Ausbildungstag, an welchem die taktischen und dienstlichen Kenntnisse vertieft werden. Weitere Trainings werden je nach Bedarf hinzugefügt (durch interne Gardisten Instruktoren geleitet).
Spezialausbildungen: Die Instruktoren der Selbstverteidigung haben zwei Mal pro Monat eine Weiterbildung, bei welchen auch neue Taktiken erlernt werden. Die Instruktoren sind ausgebildet und zertifiziert durch das Schweizerische Polizei-Institut (SPI).
Geplant sind zudem in Isone zwei Wiederholungskurse pro Jahr für Gardisten, welche sich für ein drittes Jahr verpflichten.
Die Schweizergarde darf seit vielen Jahren auf die gute Zusammenarbeit mit der Schweizer Armee zählen. Für Führungs- und Kommunikations-Weiterbildung arbeitet die Garde mit dem Kommando Führungs- und Kommunikationsausbildung KFK der Schweizer Armee zusammen.
Bei der Ausbildung des Personenschutzes kann die Garde von der Erfahrung der Militärpolizei der Schweizer Armee profitieren, sie unterstützt mit Ausbildungsmodulen im Personenschutz. Kader der Garde leisten aber auch im Militärpolizei-Schutzdetachement der Armee freiwillig Wiederholungskurse.
Mit der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten der Schweiz KKPKS und mit dem Schweizerischen Polizei-Institut (SPI) in Neuenburg besteht ein enger Kontakt, um Synergien bei der Weiterausbildung auszuschöpfen.
Das SPI unterstützt bei der Ausbildung der Instruktoren (Möglichkeit zu CAS/DAS/MAS) und mit Führungslehrgängen für Höhere Unteroffiziere, Offiziere und Instruktoren. In absehbarer Zukunft sollen Gardisten ebenfalls die Möglichkeit haben, die Ausbildung zum Polizei Sicherheitsassistenten zu absolvieren. Aktuell läuft die Planung einer Pilotphase für die Realisierung dieses Projektes.
Neben der Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei Tessin in der Grundausbildung besteht seit 2019 eine Zusammenarbeit mit der Luzerner Polizei und der Kantonspolizei Wallis in den Bereichen Taktik, Medienarbeit und Rekrutierung.
Wer länger als zwei Jahre dabei ist, kann sich zum Fachmann für Sicherheit und Bewachung mit Eidgenössischem Fachausweis ausbilden lassen. Die Prüfung erfolgt durch den Verband der Schweizerischen Sicherheitsdienstleistungs-Unternehmen VSSU. Die Schweizergarde ist hier Mitglied.
Um im Umfeld der Ersten Hilfe immer auf dem aktuellen Stand zu sein, führt die Garde regelmässig Ausbildungen mit «Schutz & Rettung Zürich» durch.