Historisches

1970

Auflösung der übrigen Garden

Neben der Schweizergarde gehörten auch drei andere militärische Einheiten zu den Corpi armati des Papstes. Sie wurden alle von Papst Paul VI per 1971 aufgelöst. Die Schweizergarde übernahm als einzig verbliebende Formation allein die Bewachung des Apostolischen Palastes und versieht seitdem sämtliche kirchlichen und staatlichen Ehrendienste.

Die Guardia Nobile di Sua Santità (Nobelgarde), 1801 aus dem Adel des Kirchenstaates entstanden und 1968 in «Ehrengarde des Papstes» umbenannt (Guardia d’Onore). Ursprünglich für Auftritte an den grossen europäischen Fürstenhöfen vorgesehen versah sie später vor allem Ehrendienste bei öffentlichen nichtreligiösen feierlichen Zeremonien.

Die Guardia Palatina d’Onore (Palatinehrengarde) konstituierte sich aus römischen Bürgern aller sozialen Schichten, welche nebenberuflich im Vatikan tätig waren. Sie entstand 1850 aus der Fusion zweier früherer Formationen, der Milizia Urbana(Stadtmiliz) und der Guardia Civica Scelta (ausgewählte Bürgergarde), mit einem Bestand von 400 bis 500 Mann. Zu ihren Funktionen gehörte die Ehrenfunktionen und der Schutz des Konklaves. Während des Zweiten Weltkrieges übernahm sie auch Bewachungsaufgaben und wurde auf 2000 Mann vergrössert.

Die Gendarmeria Pontificia (Päpstliche Gendarmerie) wurde 1816 gegründet. Sie war als eigentliches Polizeikorps auch ausserhalb des Vatikans im Einsatz. Mit der Auflösung des Kirchenstaates 1870 wurde sie auf 100 Mann reduziert und leistete zusammen mit der Schweizergarde den Wachtdienst im Apostolischen Palast. 1971 wurde auch sie aufgehoben bzw. einen Teil davon unter dem neuen Namen Corpo di Vigilanza reaktiviert. Heute heisst sie Corpo della Gendarmeria dello Stato Città del Vaticano und versieht den Polizeidienst im Vatikan-Staat. 

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1929

Lateranverträge

Die Lateranverträge zwischen dem italienischen Staat und dem Heiligen Stuhl vom 11. Februar 1929 fielen in die Amtszeit des Gardekommandanten Hirschbühl. Sie wurden zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien, vertreten durch den faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini, geschlossen. Der Heilige Stuhl erhielt darin das Territorium des Vatikans und seine staatliche Souveränität, Italien und der Vatikan anerkannten sich gegenseitig.

Daraufhin bestätigte der schweizerische Gesamtbundesrat am 15. Februar die Stellungnahme des Parlaments: «Die päpstliche Garde kann nicht als ausländische, bewaffnete Einheit gemäss Artikel 94 des militärischen Strafrechts betrachtet werden; da diese Truppe eine einfache Wachpolizei ist, kann jeder, wie bisher, in ihren Dienst treten, ohne die Zustimmung des Gesamtbundesrates einzuholen.» Die Päpstliche Schweizergarde fällt folglich nicht unter das Verbot fremder Kriegsdienste und stellt auch keine Ausnahme dar.

Die Schaffung des neuen Staates, der Vatikanstadt, erforderte an seinen Grenzen die Einrichtung regulärer Kontrollposten am Arco delle Campane (Glockenbogen) und der Porta Sant’Anna (Annator). Das Portone Borgia (heute auch Porta Viridaria genannt) wurde hingegen geschlossen. Im Jahre 1929 begann man auch mit dem Bau der neuen Büro- und Wohnräume für Offiziere und Unteroffiziere. Auch die Restaurierung der St. Martin und St. Sebastian geweihten kleinen Kirche im Quartier der Schweizer wurde in dieser Zeit beendet. Papst Pius V. hatte diese Kirche 1568 eigens für die Garde errichten lassen und nun stand sie erneut zu ihrer Verfügung. Die jahrhundertelang mit der Geschichte der Schweizer beim Heiligen Stuhl verbundene Kirche San Pellegrino wurde hingegen der Vigilanza (heutige Gendarmeria, Polizeikorps des Vatikans) zur Verfügung gestellt.

Seit 1991 unterhält die Schweiz offizielle diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl, zuerst über einen Botschafter in Sondermission, ab 2004 über einen ausserordentlichen und bevollmächtigten Botschafter, der nicht in Rom residierte. Seit 2022 besteht eine Schweizer Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom. 

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1870

Ende des Kirchenstaats

Im Zuge der europäischen Neuordnung auf dem Wiener Kongress 1814/15 strebten auch verschiedene politische und soziale Bewegungen unter der Bezeichnung «Risorgimento» die Schaffung eines unabhängigen italienischen Nationalstaates an. Nach mehreren revolutionären Erhebungen und den italienischen Unabhängigkeitskriegen wurde 1861 das Königreich Italien als konstitutionelle Monarchie ausgerufen. Schrittweise verleibten sich die Anhänger des «Risorgimento» die Teilstaaten der italienischen Halbinsel ein. Der noch verbleibende Kirchenstaat fiel 1870 an den neuen Nationalstaat, nachdem Napoleon III. seine Schutztruppen wegen des Krieges mit Preussen im Juli 1870 nach Frankreich zurückbeordern musste. 

Die italienische Regierung sicherte Papst Pius IX. zunächst die Einhaltung des Abkommens vom September 1864 zwischen dem französischen Kaiserreich und dem italienischen Königreich zu, in dem sich Italien dazu verpflichtet hatte, den Kirchenstaat nicht anzugreifen und jeden Angriff von aussen auf ihn zu verhindern. Sobald sich das Kriegsglück von Napoleon III. abwandte, liess die italienische Regierung, die der Kirche gehörenden Gebiete jedoch belagern. Nach der Niederlage Frankreichs von Sedan und der Proklamation der Französischen Republik wurde die militärische Belagerung intensiviert. Am 20. September 1870 stürmten die königlichen Truppen nach einem kurzen Kanonenfeuer die Porta Pia und marschierten in Rom ein. Pius IX., der Blutvergiessen vermeiden wollte, hatte dem Oberbefehlshaber der Päpstlichen Streitkräfte, General Kanzler, befohlen, die Verteidigung auf das Notwendigste zu beschränken, um zu beweisen, dass man nur der rohen Gewalt weiche. Am folgenden Tag wurden die päpstlichen Truppen verabschiedet und nur die Schweizergarde blieb im Vatikan. So endete eine jahrhundertelange Epoche, in der die Sicherung der weltlichen Macht der Kirche ein Heer unter der Leitung des Papstes erforderlich gemacht hatte.

Am 6. Oktober 1870 erfolgte schliesslich die Vereinigung des Kirchenstaats mit Italien per königlichem Dekret. 1871 wurde die italienische Hauptstadt von Florenz nach Rom verlegt.

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1527

Plünderung Roms «Sacco di Roma»

Das von Karl V. regierte Spanien und das von Franz I. regierte Frankreich kämpften seit 1521 um die Vorherrschaft in Oberitalien. Papst Clemens VII., ursprünglich mit Karl V. verbündet, schloss sich 1522 nach dessen Niederlage in der Schlacht von Biccoca der Liga von Cognac mit Frankreich und den oberitalienischen Städten an und forderte das Herzogtum Mailand für sich. Nachdem sich das Kriegsglück wieder gedreht hatte, stand das Söldnerheer des deutschen Kaisers im Frühjahr 1527 vor den Toren Roms. Weil die deutschen, spanischen und italienischen Söldner schon seit über zwei Jahren nicht mehr ordentlich entlöhnt worden waren, stürmten sie schliesslich eigenmächtig die Stadt. 

Am Morgen des 6. Mai 1527 gab der Generalhauptmann Bourbon, der Oberbefehlshaber des Söldnerheers, von seinem Hauptquartier aus, dem Kloster Sant’Onofrio auf dem Gianicolo, das Zeichen zum Angriff. Bei der Porta del Terrine wurde er tödlich verwundet, als er zum Sturm auf die Stadtmauer ansetzte. Nach kurzem Zögern durchbrachen die spanischen Söldner die Porta del Terrine, während die Landsknechte in den Borgo Santo Spirito und den Borgo San Pietro einfielen. Die Päpstliche Schweizergarde, die sich vollzählig beim Obelisken eingefunden hatte, der damals in der Nähe des «Campo Santo Teutonico» stand, und die wenigen römischen Truppen leisteten verzweifelten Widerstand. Der Kommandant Kaspar Röist wurde verwundet und später im Quartier vor den Augen seiner Frau Elisabeth Klingler von den Spaniern auf barbarische Art niedergemetzelt. Von den 189 Schweizern überlebten nur die 42 Gardisten, die unter der Führung von Herkules Goldi Papst Clemens VII. zu seinem Zufluchtsort, der Engelsburg, begleiteten.

Die anderen fielen heldenhaft, zusammen mit 200 in die Kirche Geflüchteten, vor dem Hochaltar von Sankt Peter. Die Rettung Clemens’ VII. und seiner Leute ermöglichte ein geheimer Fluchtgang, der sogenannte «Passetto», den Papst Alexander VI. auf der Stadtmauer, die vom Vatikan zur Engelsburg führte, hatte anlegen lassen. Landsknechte und Spanier strömten über die «Ponte Sisto» in die Stadt und verbreiteten acht Tage lang Schrecken und Gewalt, raubten, frevelten und mordeten. Sie brachen sogar die Gräber der Päpste auf, auch das von Julius II., um sie auszuplündern. Man schätzt die Zahl der Toten auf 12‘000 und den Wert der Beute auf zehn Millionen Dukaten.

Abgesehen von dem unersetzlichen Verlust durch die Zerstörung der Reliquien gingen während des «Sacco di Roma» Kunstwerke von unschätzbarem Wert verloren, wie zum Beispiel der grösste Teil der Goldschmiedearbeiten der Kirchen. Am 5. Juni ergab sich Clemens VII. und musste sich harten Bedingungen unterwerfen: der Übergabe der Festungen Ostia, Civitavecchia und Civita Castellana; dem Verzicht auf die Städte Modena, Parma und Piacenza und der Zahlung von 400‘000 Dukaten. Die päpstliche Garnison wurde durch vier Kompanien deutscher und spanischer Soldaten ersetzt. Die Schweizergarde wurde abgeschafft und ihr Dienst von 200 Landsknechten übernommen. Der Papst setzte durch, dass die überlebenden Schweizer in die neue Garde eintreten durften, doch nur zwölf von ihnen machten von diesem Angebot Gebrauch. Zu diesen gehörten Hans Gutenberg aus Chur und Albert Rosin aus Zürich. Die anderen wollten nichts mit den verhassten Landsknechten zu tun haben.

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1512

Schweizer Söldner

Die Wahl des Papstes, Schweizer Söldner anzuwerben, kam nicht von ungefähr. Die eidgenössischen Soldaten galten aufgrund ihres Mutes, ihrer edlen Gesinnung und ihrer sprichwörtlichen Treue als unbesiegbar. Der grosse lateinische Geschichtsschreiber Tacitus hatte schon viele Jahrhunderte zuvor festgestellt: «Die Helvetier sind ein Volk von Kriegsleuten, dessen Soldaten für ihre Kriegstüchtigkeit weithin bekannt sind.» Aus diesem Grunde spielten die schweizerischen Kantone, die sich einmal mit diesem, einmal mit jenem Staat verbündeten, eine bedeutende Rolle in der europäischen Politik. Im Jahre 1512 entschieden sie als Bündnispartner Julius’ II. das Schicksal Italiens und der Papst verlieh ihnen den Titel «Hüter der Freiheit der Kirche». Zu jener Zeit, als das Söldnerwesen üblich war, lebte in den Zentralalpen ein wehrhaftes Volk. Die ersten Schweizer Kantone waren mit ihren zirka 500‘000 Einwohnern überbevölkert. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage herrschte damals grosse Armut. Der einzige Ausweg aus dieser Situation war die Emigration, die gewinnbringendste Aufgabe der Söldnerdienst.

15’000 Männer standen für diesen Dienst zur Verfügung, der von der kleinen Föderation der Kantone «organisiert» und kontrolliert wurde. Sie vergab das Recht zur Anwerbung von Kriegsleuten und erhielt dafür Weizen, Salz oder günstige Handelsbedingungen. Die Schweizer betrachteten den Kriegsdienst als vorübergehende, nur den Sommer überdauernde Emigration und nahmen deshalb an kurzen grossen Feldzügen teil. Dann kehrten sie nach Hause zurück und lebten den Winter über vom Sold und von der Kriegsbeute. Sie waren die besten Soldaten ihrer Zeit, die ohne Kavallerie und mit wenig Artillerie eine geschickte Bewegungstaktik erfunden hatten, die allen anderen überlegen war. Deshalb wurden sie sowohl von Frankreich als auch von Spanien angefordert. Sie bildeten eine undurchdringliche, mit Eisen gespickte, halbbewegliche Mauer. Man kann die Kriege in Italien nicht verstehen, wenn man sich nicht mit diesen Söldnern befasst hat. Schon im 13. und 14. Jahrhundert, nach der Schweizer Unabhängigkeit, leisteten viele dieser Soldaten Dienst in Deutschland und Italien und da die Kantone diese Art der Emigration nicht verhindern konnten, versuchten sie zumindest, sie unter Kontrolle zu halten.

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1506

Gründung

Seit mehr als 500 Jahren steht die Schweizergarde in den Diensten der Päpste und wacht über den Vatikan. Begonnen hat alles im Jahre 1506. Papst Julius II. kam der Gedanke, Schweizer für eine neue Leibgarde anzuwerben, denn auch der König in Frankreich hatte eine solche. Die Eidgenossen hatten sich vor allem in den Burgunderkriegen 1474 bis 1477 den Ruf erworben, besonders schlagkräftig, unbezwingbar und zuverlässig zu sein. Zwar hatten schon zuvor die Päpste gelegentlich Schweizer Söldner für ihre militärischen Unternehmen angeworben, aber nie als Leibwache.

Julius II. beauftragte 1505 den Kleriker Peter von Hertenstein damit, bei der Tagsatzung um 200 Kriegsknechte für seine Leibgarde zu bitten. Hertenstein erklärte der Tagsatzung, dass die Knechte keineswegs für Kriegsdienste verwendet würden – gegen den fremden Kriegsdienst bestanden schon damals einige Vorbehalte –, sondern lediglich die Person des Heiligen Vaters und den Apostolischen Palast schützen sollten. Als die Vorbehalte gegen französische Anwerbungen fallengelassen wurden, begann auch Hertenstein Leute für den Dienst in Rom zu suchen. 

150 Schweizer unter ihrem Hauptmann Kaspar von Silenen aus Uri marschierten durch die Porta del Popolo in Rom ein und zogen in den Vatikan, wo sie von Papst Julius II. gesegnet wurden und ihren Dienst aufnahmen. Der 22. Januar 1506 gilt seither als das offizielle Gründungsdatum der Päpstlichen Schweizergarde. 

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