Die Vereidigung

Die Tradition der Vereidigung, wie wir sie heute kennen, geht auf Oberst Jules Repond zurück, Kommandant der Schweizergarde von 1910 bis 1921. Er machte den zeremoniellen Anlass zu einem der wichtigsten, in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit wohl dem wichtigsten Tag im Jahreslauf der Päpstlichen Schweizergarde.

2. Januar 2026

Einführung des individuellen Fahneneids

Allerdings erwähnt ein Artikel in der Zeitschrift La Patrie Suisse (Juli 1911), Repond habe damit eine alte Gepflogenheit wiederbelebt, die in Vergessenheit geraten sei. Gardisten wurden auch vor 1911 vereidigt, wie aus diversen Dokumenten hervorgeht. Datum und Ort scheinen nicht fix gewesen zu sein. Die Treue zum Dienstherrn, entscheidendes Element der eidgenössischen Solddienste über die Jahrhunderte, konnte offenbar im Rahmen der Erneuerung einer Kapitulation durch die ganze Truppe rituell bestätigt werden. So wie es z.B. bei der Schweizergarde anlässlich der Vertragserneuerung von 1825 geschah.

Oberst Repond führte 1911 den individuellen Fahneneid ein. Die freie Mannschaft wurde bewusst am Jahrestag des Todes von 147 Schweizergardisten während des Sacco di Rom am 6. Mai im Belvedere-Hof vereidigt. Die restlichen Gardisten folgten einen Tag später (gemäss Ausführungen von Oberst Jules Repond in der Sammlung der Tagesbefehle aus dieser Zeit). Der traditionsbewusste Oberst machte damit etwas in jener Zeit einer starken historisch-patriotischen Rückbesinnung durchaus Übliches.

Im Gedenken an die Heldentat von 1527

Das Datum vom 6. Mai geht auf die Heldentat der Schweizergarde während des Sacco di Roma zurück, der Plünderung Roms im Jahr 1527 durch marodierende deutsche, spanische und italienische Söldner Kaiser Karls V. Bei diesem Überfall leisteten die Schweizer heftigen Widerstand. Von den 189 Schweizergardisten überlebten nur 42. Ihnen gelang es in letzter Minute, Papst Clemens VII. über den Geheimgang, den sogenannten Passetto, in die Engelsburg in Sicherheit zu bringen.

Seither findet die Vereidigung der im Laufe des Jahres eingetretenen Gardisten jeweils an diesem Datum statt. Am Tag vor der Vereidigung wird mit einer Kranzniederlegung der Gefallenen von 1527 gedacht. 

Ausnahmen gab es 2020, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, und 2025 wegen des Todes von Papst Franziskus (gestorben 21. April 2025) und dem darauffolgenden Konklave. Die Vereidigungszeremonie wurde beide Male auf den 4. Oktober des jeweiligen Jahres verschoben.

Ursprünglich liess sie Oberst Repond die Vereidigungszeremonie in kleinem Rahmen im Hof der Gardekapelle durchführen. Zwischen 1925 und 1970 waren auch der Cortile del Belvedere und der Cortile della Pigna Schauplatz der Zeremonie gewesen. Seither findet sie im Damasushof des Apostolischen Palastes statt, bei schlechter Witterung in der Aula Paolo VI. 

Stefan Wyer

 

Quellen:
Stefan Wyer. Die Vereidigung in der Geschichte. In: GUARDIA VIVA 1/24. S. 24
Paul M. Krieg, Reto Stampfli. Die Schweizergarde in Rom. Überarbeitete und erweiterte Neu-Ausgabe 2006. Orell Füssli Verlag AG Zürich. S. 271.